Krankengeld oder Krankentagegeld, was ist der Unterschied? Wie lange zahlt private KV bei psychischer Krankheit?

 

Krankentagegeld bitte nicht mit Krankengeld verwechseln, ein beliebter, eigentlich kleiner Fehler. Ein privat Versicherter erhält Krankentagegeld, ein gesetzlich Versicherter Krankengeld. Sie werden also im Zweifel Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung finden, wenn Sie irrtümlich nach dem Stichwort „Krankengeld“ googeln, aber privat versichert sind. Auf meinen Seiten erhalten Sie Informationen zur privaten Krankentagegeldversicherung. Die Unterschiede zum gesetzlichen Krankengeld sind groß. Zum Beispiel gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung noch 72 Wochen Krankengeld. In der privaten Krankentagegeldversicherung können Sie nicht einfach so ausgesteuert werden. Dennoch wird Ihr privater Krankenversicherer unruhig, wenn Sie ein Jahr lang krank sind, manche Krankenversicherer bereits nach einem halben Jahr.

 

Ich weiß, wovon ich rede, als stellvertretender Referatsleiter einer großen Krankenversicherung habe ich einige Schadenmanagementmaßnahmen auf den Weg gebracht. Dabei stellte sich heraus, dass gerade bei psychischen Erkrankungen wie Burnout die Versicherten jahrelang Leistungen bezogen haben. Bei der typischerweise langen Krankheitsdauer fragen sich viele Versicherte: Wie lange zahlt die private KV bei psychischer Krankheit?

 

Theoretisch ewig, aber nur theoretisch. Die Krankenversicherung wird irgendwann annehmen, dass Sie berufsunfähig sind, wenn mit der Erlangung einer Erwerbsfähigkeit von mindestens 50 % auf absehbare Zeit nicht mehr zu rechnen ist, verkürzt ausgedrückt, wenn sie auf unbestimmte Zeit nicht mal mehr halbtags in Ihrem Beruf arbeiten können. Achten Sie also darauf, was Ihr behandelnder Arzt oder das Krankenhaus über Sie schreiben.

 

Ihrem Krankenversicherer stehen dabei verschiedene Gegenmaßnahmen zur Verfügung: Nachuntersuchungen alle paar Monate, ein Besuch des Krankentagegeldkontrolleurs, der Einsatz eines Detektivs.

 

Nachuntersuchungen müssen Sie dulden, den Krankentagegeld-kontrolleur brauchen Sie nicht in die Wohnung zu lassen. Es ist klug, sich dagegen zu wappnen und frühzeitig einen im Krankentagegeld erfahrenen Rechtsanwalt in Anspruch zu nehmen. Ich betreue über Monate und Jahre hinweg längerfristig arbeitsunfähige Kunden, ohne dabei nach außen aufzutreten, und sage ihnen, wie Sie sich jeweils verhalten sollen. Die Krankenversicherung weiß nicht, mit wem sie es in Wirklichkeit zu tun hat – mit einem erfahrenen, mit allen Wassern gewaschenen Exkollegen aus der Hauptverwaltung.

 

Je länger Sie krank sind, umso schwieriger wird es zu behaupten, dass Sie zwar schon jahrelang arbeitsunfähig, aber auch noch nicht berufsunfähig sind. Richtig kritisch wird es ab zwei bis drei Jahren Arbeitsunfähigkeit. Die nachuntersuchenden Ärzte sind gehalten, längerfristig Arbeitsunfähige gerade auch im Hinblick auf eine etwaige Berufsunfähigkeit zu begutachten. Denn Arbeitsunfähigkeit bedeutet, dass Sie vollständig arbeitsunfähig sind, also gar nicht mehr arbeiten können. Je länger Sie krank sind, desto schwieriger wird es auf der einen Seite nachzuweisen, dass Sie noch vollständig arbeitsunfähig sind und auf der anderen Seite gegen eine im Raum stehende Berufsunfähigkeit zu argumentieren.  

 

Oft gibt es Gegenmaßnahmen, wie Sie verhindern können, als teilarbeitsfähig (dann bekommen Sie kein Krankentagegeld) oder berufsunfähig beurteilt zu werden, aber die werde ich Ihnen hier nicht verraten. Wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, Sie also als berufsunfähig qualifiziert wurden, sollten Sie umgehend einen Rechtsanwalt aufsuchen und nicht darauf hoffen, dass die Krankenversicherung aufgrund eines Attests Ihres behandelnden Arztes ihre Entscheidung revidiert, das ist selten der Fall. Unverblümt ausgedrückt: Sie haben Ihrer Versicherung viel Geld gekostet und es steht zu befürchten, dass Sie ihr noch viel mehr Geld kosten. Gibt es viele Fälle wie den Ihrigen, muss der Versicherer die Beiträge erhöhen und bekommt weniger Neukunden, ein verhängnisvoller Teufelskreis wird in Gang gesetzt bzw. verstärkt. Man will Sie jetzt loswerden, auch auf das Risiko hin, einen Rechtsstreit zu verlieren.

 

Wenn die Krankenversicherung Ihre Tagegeldversicherung beendet, weil Sie in deren Augen berufsunfähig sind, beruht das nicht darauf, dass Sie gekündigt worden wären. Die Krankentagegeldversicherung endet bei Berufsunfähigkeit automatisch ohne Kündigung, eine Kündigung ohne Gründe ist in der Regel gar nicht möglich.

 

Ihr Krankenversicherer wird Sie darüber informieren, dass Ihre Krankentagegeldversicherung wegen Berufsunfähigkeit beendet ist. Wenn sie arbeitsunfähig sind, versiegt der Geldfluss je nach Vertrag drei oder sechs Monate, nachdem Ihre Krankenversicherung bei Ihnen Berufsunfähigkeit festgestellt hat (Ausnahmen davon kann es in der Gruppenversicherung geben, z. B. keine Nachleistung). Solange Sie Krankentagegeld erhalten, müssen Sie weiter Ihre AU-Meldungen einreichen. Sie brauchen die Beurteilung Ihrer Krankentagegeld-versicherung nicht zu akzeptieren, in diesem Fall wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt. Aus meiner Erfahrung kann in etwa der Hälfte der Fälle geholfen werden, vorausgesetzt, Sie kommen spätestens, wenn Sie für berunsunfähig erklärt wurden, ich verliere nur ungern einen Rechtsstreit. 


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